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  Das Miethaus

Die Entwicklung des Miethauses

Erst im 19. Jahrhundert wurden zuerst in Preußen, dann nach der 2. Reichsgründung im Deutschen Reich die rechtlichen, technischen, wirtschaftlichen und administrativen Voraussetzungen für den Bau des klassischen Berliner Miethauses geschaffen. Zu Beginn jenes Jahrhunderts gab es schon allein rechtlich gar nicht die Möglichkeit Grundstücke frei zu kaufen. Der Handel mit Immobilien war noch stark eingeschränkt. Der Adel durfte nicht verkaufen, der Bauer nicht kaufen.

Selbst wenn dieses Problem schon gelöst gewesen wäre, hätte es damals kaum genug Mieter gegeben. Wer als Bauer auf dem Lande lebte, durfte sein Dorf nicht verlassen. Für eine Zuwanderung fehlten zudem die erforderlichen Arbeitsplätze. Erst mit der Industriealisierung wurden sie in derart großer Zahl geschaffen, dass ein Bedarf zur Zuwanderung entstand.

Schließlich fehlten schlicht noch einige technischen Voraussetzungen für den Bau vieler großer Häuser in kurzer Zeit. Produktion und Transport von Baumaterialien wie Stahl und Ziegel waren nur begrenzt möglich. Ein Miethaus benötigte ungefähr 1.500.000 Ziegelsteine. Bei 130 neuen Miethäusern pro Monat waren dies ca 200 Millionen Ziegelsteine, die produziert und zur Baustelle gebracht werden mussten.

Welche Veränderungen haben sich dann im Einzelnen vollzogen, die es ermöglichten, dass in Berlin bis 1914 binnen 30 Jahren 50.000 Miethäuser gebaut wurden? Da ist vor allem die Einführung neuer Gesetze zu nennen, mit denen die Ständeordnung abgeschafft wurde.

In Preußen wurden durch das Stein´sche Edikt von 1807 die ständischen Schranken beim Grunderwerb aufgehoben und Grundstücke frei handelbar. Die Leibeigenschaft wurde abgeschafft. Bauer, Bürger und Adel durften ihren Beruf oder ihr Gewerbe von da an frei wählen. Sie durften nun auch Grundstücke kaufen und verkaufen. Die Einführung des Pfandbuchsystems förderte die Kreditvergabe für den Erwerb von Immobilien schon seit Ende des 18. Jahrhunderts. Die Grundstücke konnten mit einer Hypothek belastet werden. Das Bankenrecht wurden neu geregelt.

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Durch das Regulierungsedikt von 1811 konnten die Bauern in Preußen zwar den ihnen zugesprochen Boden durch Geld oder Land ablösen, wobei sich aber viele übernahmen, was sie im Laufe der Jahre zur Aufgabe der Landwirtschaft zwang. Sie wanderten dann in die Städte, wo sie bessere Unterkünfte und Arbeit fanden. Im Zuge der Industriellen Revolution entstanden dort aus den Manufakturen dampfbetriebene Produktionsstätten. Viele vormalige Landbewohner arbeiteten in den neuen Fabriken.

Die industriell weiter entwickelte Herstellung und die technisch verbesserte Verarbeitung von Baumaterialien ermöglichten gleichzeitig zur Zuwanderung der Landbevölkerung die Errichtung mehrgeschossiger Miethäuser in kurzer Zeit. Mit dem schnell wachsenden Wohlstand der Gründerzeit wuchs auch das private Vermögen enorm an und suchte nach Anlagemöglichkeiten. Mit seinen festen und kalkulierbaren Renditen stellte der Mietwohnungsbau neben den riskanteren Aktien eine ideale Anlageform für das neu erwirtschaftete Kapital dar.

So kamen alle notwendigen Voraussetzungen für den Bau von Miethäusern zusammen. Der Bedarf und damit die Nachfrage, die Möglichkeit durch neue Techniken, die Bereitstellung von Bauland und schließlich die Mittel in Form von Eigenkapital und Krediten der Finanzwirtschaft. In der Folge wuchsen in allen größeren Städten, in denen die neue Industrie entstanden war, Miethäuser wie Pilze aus dem Boden. In einem nie zuvor da gewesenen Boom entstanden ganze Stadtteile durch den Bau von Miethäusern, einfachen für Arbeiter und Gewerbetreibende und herrschaftlichen für das schnell wachsende Bürgertum.

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